March 27 1997
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Ich wache auf, und brauche einen Moment, um in die Realität zu finden. Natürlich ist es wie so oft auf dieser Reise viel zu früh, gerade mal so etwa 7Uhr. Komisch, ich fühle mich dennoch nicht mal richtig müde. Irgendwie ist alles ganz anders, als man es gewohnt ist. Natürlich gibt es auch bei uns Betten und Räume und Häuser. Aber wohin man auch schaut, viele kleine Dinge sagen einem sofort, daß man nicht in Europa sein kann. Vielleicht hat man deshalb ständig den Eindruck, an einem Ort zu sein, an dem man vorher noch nie gewesen ist. Ich finde diese Vorstellung interessant, und sie macht mich endgültig wach.
Ich schmökere, weil es noch so früh ist, zum ersten Mal in meinem Führer. Dabei ist es sehr warm, und ich friere nicht, obwohl der Ventilator über mir röhrt. Was für ein Sprung, so aus dem neuseeländischen, sehr europäischen Herbst in die immerwährende Hitze Südostasiens! Nicht mal einen Zug scheine ich mir über Nacht geholt zu haben, was nur gerecht gewesen wäre. Zu Hause kriege ich schon beim Autofahren mit offenem Fenster eine Krise. Andererseits ist es zu Hause nachts auch nur selten über 30°C warm.
Man scheint in positiver Urlaubslaune nicht so empfindlich zu sein, von Ausnahmen einmal abgesehen, z.B. in meiner ersten Woche in Neuseeland. Wahrscheinlich war ich einfach noch von der Arbeitshektik geschwächt, und deshalb der Viren leichte Beute. Nun, den Streß habe ich definitiv abgelegt, und mir sogar den Job wieder schöngeredet. Hoffentlich waren die vielen Stunden, die ich auf einsamen Wanderungen über dieses Thema nachgesonnen habe, nicht verschwendet.
Doch zurück aus den dunklen Niederungen des Alltagslebens in das sonnendurchflutete Bangkok. Wann mich der Schlafmangel wohl ereilen wird? Ich beschließe, nicht im Bett auf ihn zu warten, sondern ziehe mit dem Kulturtäschchen in Richtung Naßzellen.
Toilette und Dusche, Thai style
Die Duschen finde ich nicht, jedoch die Klos; immerhin habe ich ja gestern noch auf einem gesessen. Dieses Sitzklo scheint aber auch das einzige seiner Art zu sein. Die anderen beiden sind von der Art, wie man sie in Südfrankreich oft findet: zum Stehen nämlich. Uh, das können wir aber nicht so leiden! Aber was soll's, andere Länder, andere Sitten, und Marco Polo hat sich sicher auch nicht lange geziert.
Während ich auf einem der Stehklos hocke, weil ich meinen Zielfertigkeiten nicht übermäßig traue, frage ich mich, wo wohl die verdammten Duschen sein könnten. Mein Blick schweift umher und fällt schließlich auf einen einsamen Duschkopf (auf dem Photo ganz rechts oben). Da isser ja! Regler für warm und kalt gibt es nicht, bei den hiesigen Außentemperaturen reicht "an" und "aus" völlig; eine Stellung "kühl" wäre genehm. Ich wundere mich nur, warum die Dusche, wenn man den Hygienewürfel betritt, vor dem Klo angebracht ist. Wo läuft denn der Abwasch hin? Ach ja, hinter mir befindet sich vor der Wand noch eine Rinne. Warum eigentlich nicht!
Nach der Dusche fühle ich mich richtig frisch. Auf dem Weg vom Zimmer zur Rezeption, das sind gut und gerne 10 Meter ebene Strecke, fange ich allerdings schon wieder an zu schwitzen. Mein Führer (nein, ich sympathisiere nicht mit den Braunröcken) findet das gar nicht ungewöhnlich, sondern sagt mir, daß in Bangkok rund ums Jahr eine Durchschittstemperatur von über 30°C herscht. Ah ha! März ist der heißeste Monat. Das haben wir aber fein hinbekommen.
Nun gut, danach habe ich nicht gehen können, und außerdem sind die Temperaturschwankungen über das Jahr sowieso nur marginal. Wichtiger ist es, die drei Jahreszeiten abzupassen: Normale Zeit, heiße Zeit und Regenzeit. Regenzeit stelle ich mir gemein vor. Wenn es bei dieser Hitze auch noch feucht wird, kann ich unter den Armen Champignons züchten und beim Wachsen zukucken.
Tavee Guesthouse
Die Rezeption ist eine Art Bartheke in der vorderen Lounge, hinter der sich die diversen Mitglieder der Familie abwechseln. Die Lounge ist wiederum ist eine Art Wohnzimmer für alle, und nach vorne zum Eingang hin komplett offen. Das fällt mir erst gar nicht weiter auf, aber das ist doch schon bemerkenswert: Hier ist es das ganze Jahr über Tag und Nacht so warm, daß man ein Haus ohne Türen und Wände bauen kann (wenn man von Schlafzimmer und Naßzelle einmal absieht)!
Ich bestelle einen Obstsalat mit Granola und homemade Joghurt. Granola, das sind hier geröstete Kokosraspel. Die machen sich sehr gut mit den tropischen Früchten, und vor allen Dingen die Ananas, die ich zu Hause nicht so mag, ist ein Reim: Weich wie eine Birne und mit viel Aroma. Zum Salat nehme ich einen schwarzen Tee mit Milch und Zucker. Ach ja, so lebten sie alle Tage, und das für nur 55Baht (3.67DM). Wie wunderbar fern erscheinen einem da die Segnungen der heimatlichen Kantine...
Ich raffe schließlich meine sieben Sachen zusammen und erwerbe käuflich eine Flasche Wasser. Die entstammt einem großen Kühlschrank, der zwischen dem Schuhschrank und der Pinwand steht, die ihrerseits an die Rezeption grenzt. Der Schuhschrank enthält die Schuhe aller Gäste, denn in Thailand, und vermutlich überall in Südostasien, herscht eine strikte "shoes off" policy für heimatliche Hütten und Tempel aller Art. Am Schuhschrank fehlt allerdings der Aufkleber "Do not inhale". Da ich weiß, daß meine Treter eine starke Mitschuld tragen, fühle ich keinen hochnäsigen Ekel, sondern halte einfach nur die Luft an. Wenn nur das Brennen in den Augen nicht wäre!
Frisch gestärkt und voller Tatendrang verlasse ich die sichere Zuflucht und betrete die Straßen Bangkoks, und zwar in T-Shirt, Shorts und Turnschuhen, ohne Strümpfe. Die Sonnencreme habe ich vergessen, was mir eine 1A Bauarbeiterbräune einbringen wird: Dunkler Nacken, braunes Gesicht und farbige Arme. Steht man im Adamskostüm vor dem Spiegel, sieht es aus, als habe man ein helles T-Shirt an.
Vor dem Tor halte ich noch einmal inne. Zum ersten mal sehe ich das Tavee bei Tage. Drinnen war es ja schon ganz nett, und von außen sieht es bei Tageslicht richtig sympathisch aus. Auf der Innenseite des Tores stehen ein paar interessante Sprüche: "Don't bring prostitutes. Things go missing, missing. Don't bring drugs. The Police go sniffing, sniffing". Merkwürdig, aber es muß wohl nötig zu sein. Nicht jeder scheint zu wissen, daß schätzungsweise mehr als 1/3 aller Prostituierten in Thailand HIV-infiziert sind, und daß auf Drogenbesitz drakonische Strafen stehen. Davon einmal abgesehen: Was ist so toll daran, sich für Geld Sex und Instant-Glück zu kaufen? "The best things in life are free", um es einmal mit Jürgen Kocher zu sagen (stammt aus Wanne-Eickel, lebt aber heute unter dem Pseudonym Joe Cocker in den Vereinigten Staaten).
Auto-Baum, bei Tavee Guest House
Auf der Ecke, wo der Soi (so heißen die kleinen Seitenstraßen, die den Namen der Hauptstraße tragen und einfach nur durchnumeriert sind) zum Tavee abzweigt, befindet sich ein kleiner Betrieb und ein wild wurzelnder Baum. Dieser ist interessant geschmückt und enthält einige Indizien darauf, daß es sich bei dem Betrieb wohl um eine Art Autowerkstatt handeln muß. Ein weiter Hinweis ist die Tatsache, daß man rund um die Uhr Leute treffen kann, die an verschiedenen Wagen basteln, hämmern und schrauben.
Jedenfalls ist der Baum hart im Nehmen, und scheint sich von Altöl geradezu zu ernähren. Und ich dachte immer, das sei giftig. Wahrscheinlich schützen die bunten Schleier das Gewächs vor negativen Einflüssen. Mal sehen, wo es die zu kaufen gibt! Das magische Gewebe hält wahrscheinlich auch Regen, Schnupfenviren, aufdrindliche GEZ-Mitarbeiter und alles andere bis Kaliber 45 ab.
Sri Ayuttaya 83
Kaum begibt man sich auf die Straße, ist man Bestandteil des Bangkoker Verkehrschaos. Und wer sich dorthinein begibt, begibt sich in Gefahr. Direkt vor dem Tavee geht es noch, weil die Straße eine Sackgasse ist, die Richtung Fluß (der ist nicht weit) in den Tewet Market übergeht.
Nach 100m in der anderen Richtung ist jedoch die Samsen Road erreicht, und die ist eine der Schlagadern stadteinwärts. Auf den Straßen gibt es kein Pardon, und insbesondere für Fußgänger sieht es schlecht aus. Ampeln hat es nur für Autos, und die Fahrer interpretieren rotes Licht lediglich als Haltevorschlag. Wenn dann die Autos tatsächlich stoppen oder sich nur langsam bewegen, überqueren Fußgänger rennend die leidlich intakte Fahrbahn.
Ich will niemandem Angst machen, aber ein paar Dinge muß man als Fußgänger in Thailand wissen. In Deutschland kann man ein Auto mit kreischenden Bremsen zum Stehen bringen, indem man einfach die Straße betritt. Das einzige, was in Bangkok bei dieser Gelegenheit kreischen wird, ist man selbst, und zwar weil man gerade einen Fuß eingebüßt hat. Also: Obacht geben, und sich ins Gedächtnis rufen, daß hier ebenso falsch wie in England gefahren wird. Beim Überqueren der Straße erst rechts, dann links kucken, bevor man den Körper als Einsatz ins Spiel bringt.
Und noch ein Tip: Asiaten sind im Durchschnitt deutlich kleiner als Europäer. Die Architektur mancher Läden, Eingänge, Durchgänge und Bushaltestellenunterstandsdachverstrebungen (ich weiß, warum ich die gesondert erwähne) ist daran angepaßt. Um intimen Kopf-Kontakt mit der lokalen Statik zu vermeiden, ist manchmal schnelles Ducken angesagt. Aber das prägt sich erfahrungsgemäß nach ein paar Versäumnissen schnell ein.
Im Hostel habe ich mir noch einen Plan gekauft, "den meistverkauften und beliebtesten". Vermutlich ist es der einzige seiner Art, aber tatsächlich, er hilft bei der Orientierung. Ein echtes Highlight: Alle Orts- und Straßennamen finden sich in lateinischen und thailändischen Buchstaben. Zwar sind die meisten Schilder im Zentrum von Bangkok bialphabetig (TM) gehalten, aber entfernt man sich ein bißchen von den Sachen, die für den normalen Touristen interessant sein könnten, wird es heikel. Dazu ein Beispiel am letzten Tag.
Ich halte also den beliebtesten aller Pläne in der Hand, und bin trotzdem erst etwas durcheinander, weil ich nicht weiß, wo Norden und wo Süden ist. Als alter Buschmann nutze ich die Sonne zur Orientierung, aber so nah im Äquator ist sie keine große Hilfe: Sie steht einfach zu steil am Himmel, und je nach Jahreszeit steht sie mal nördlich und mal südlich vom Äquator. Ich entscheide dann, wo für mich Süden ist, und zum Glück steht das nicht im Widerspruch zur Realität. Ich laufe die Samsen Road entlang, die eine der stark befahrenen Straßen Richtung Zentrum ist. Die Luft von Bangkok wurde mir als ziemlich schlimm beschrieben, und da ist was dran, obwohl es eigentlich noch geht. Aber es ist ja auch noch Vormittag, und was nicht ist, das kann noch werden.
Kaum bin ich 100m um die Ecke, stoße ich auch schon auf den ersten Markt. Ich schaue nur kurz hinein ("hinein", weil überdacht), und beschließe, daß mir das für den Anfang etwas zu viel Action ist. Erst mal etwas die Gegend erkunden! Ich beschließe, morgen mal genauer hinzuschauen. Ich überquere den ersten Klong - das ist ein Kanal - in dem tote, flüssige Materie schwappt. Als etwas anderes kann man die Suppe nicht beschreiben. Schwarze Fetzen steigen langsam blubbernd auf und versinken ebenso langsam wieder im, nun ja, das war es bestimmt einmal: Wasser. Trotzdem scheinen sich hier Süßwasserfische wohlzufühlen, denn ich sehe einige. Wenn ich mir allerdings deren Kinderstube angucke, ist mir nicht nach einer Fischmahlzeit zumute. Schade eigentlich: Bangkok hat nicht ohne Grund den Beinamen "Venedig Asiens", obwohl immer mehr Klongs zugeschüttet werden, um Platz für Straßen zu schaffen. Scha(n)de!
Opfergaben, Wat Samphraya
Und weiter geht's, über den Klong und entlang der Straße mit ihrem röhrenden Verkehr. Da ich nicht viele Geschäfte sehe, scheint man hier zu wohnen. Na danke, das nenne ich verkehrsnahe Anbindung! Nach etwa 10 Minuten komme ich am ersten Tempel vorbei. Wie beim Markt habe ich auch hier noch etwas Respekt davor, diese fremden Dinge zu betreten und genauer anzusehen.
Aber einen Blick auf den Tisch mit den Opfergaben werfe ich. Was haben wir denn da? Fangen wir mal von links an. Diese dicken grünen Knospen in den goldenen Vasen, das sind geschlossene Lotusblüten (was ich zwar nicht weiß, aber später erfahre). Zwischen den Vasen ist ein Sandbecken mit Räucherstäbchen, die vor sich hin qualmen und angenehmen Geruch verbreiten. Weiter rechts befinden sich einige Teller mit Obst, das ich zum größten Teil nicht kenne, aber gerne mal versuchen würde. Na, Finger weg! Das hier ist für die Götter (nur nebenbei: was passiert eigentlich mit den Opfergaben? Ich habe keine Ahnung! Wäre ja nett, wenn es jemand essen dürfte, der es brauchen kann).
Die orangen Rundlinge werden wohl Mandarinen sein. Die Bananen sind von der hier üblichen kleine Sorte, etwa halb so lang wie die im heimischen Supermarkt. Fritiert sind sie sehr lecker, aber das kriegen wir später. Das komische zylindrische Ding, das oben kegelförmig zuläuft, ist eine - hätten Sie's gewußt? Hätten Sie's wissen wollen? - Kokosnuß, und zwar eine grüne. Diese hat um die eigentliche Nuß, wie wir sie kennen, eine dicke Schicht aus weißlichen Fasern, die beim Fall vom Baum als Airbag wirkt. Natürlich wurde das gute Stück maschinell bearbeitet, um die Form auf dem Photo zu erhalten. Der Sinn des Ganzen? Wenn man die Spitze mit einer Machete abschlägt, braucht man nur noch einen Strohhalm, um etwa einen halben Liter Kokossaft zu schlürfen. Von Kokosmilch kann keine Rede sein; der Saft ist glasklar, und eigentlich zu süß, um damit den Durst zu killen. Aber so am Strand, gut gekühlt - wieder ein guter Einfall der Natur! Und die Tasse ist organisch abbaubar.
Die bunten Sachen rechts vorne sind Süßigkeiten. Im Gegensatz zur restlichen thailändischen Küche haben mich die Sachen zum Naschen nicht so begeistern können, da sie hauptsächlich einfach nur quietschbunt und zuckersüß sind - und außerdem halbfest, was ich nicht vertragen kann. Gut sind die kleinen Küchlein aus Puffreis ("Nippon", für die Feinschmecker), die mit einer Garnierung aus Honig daherkommen. Aber die sind auf diesem Tisch nicht vertreten. Dafür ist da noch eine Ente und ein Schweinekopf. Uuuhhh, ein Schweinekopf? Ja, so halb abgezogen; darum ist er auch so flach und lächelt so freundlich. Ich habe leider niemanden getroffen, der mir die Motiviation hinter dieser Opfergabe erklären konnte - den Rest würde man sich ja noch ins eigene Wohnzimmer stellen.
Mein Aufenthalt ist viel kürzer, als diese lange Beschreibung vermuten läßt, und ich ziehe weiter die Samsen Road entlang. Diese wird immer breiter, immer lauter und schließlich mehrspurig. Dann biege ich irgendwie falsch ab, und verlasse die Hauptstrecke. Auf dem meistverkauften aller Pläne stelle fest, daß ich nun in der Nähe des Flusses und der Nationalgalerie bin, und das gefällt mir eigentlich ganz gut. Ich beschließe, nun einfach möglichst in der Nähe des Flusses zu bleiben und diesem bis zur Memorial Bridge zu folgen. Dann wäre ich auch schon ganz in der Nähe des Wat Arun, der sich auf dem anderen Ufer befindet.
Auf der genannten Strecke komme ich am Nationalmuseum und an mindestens einer Uni vorbei. Die Universitäten sind komplett in die Stadt eingebaut, und fallen nicht als solche auf, wären da nicht die Horden von (ziemlich jungen) Studenten, die beständig ein- und ausströmen. Überall wird gebaut, und wenn man den Organisationsgrad der Tätigkeiten und den Stand der eingesetzten Technik so vor Augen hat, fragt man man sich, wer in aller Welt die Straßen, Häuser und Autobahnen gebaut hat. "Chaos" ist das Wort, das dem Europäer bei vielen Gelegenheiten einfallen wird. Andererseits scheint sich die Welt auch ohne allgegenwärtige Anwesenheit von Ordnung zu drehen.
Am Fluß selbst kommt man gar nicht entlang, weil alles mit einem Sammelsurium von Gebäuden zugebaut ist. Also winde ich mich durch Straßen, Gassen, Gäßchen und Wege, was mir bestimmt einen umfassenden Überblick über thailändisches Leben und Architektur verschafft. Ein Klong drängt mich schließlich vom Ufer ab, und weil ich nicht schwimmen möchte, suche ich mir eine Brücke. Dort treffe ich auf eine Mama mit ihrer fahrbaren Küche. Gebrutzelt wird dort ein, hm, Teig, und das Ergebnis sieht sehr lecker aus. Ich meine, das Gericht von zu Hause zu kennen: Demnach würde es sich um gehacktes Huhn mit einheimischen Gewürzen handeln. Das Zusammenströmen von Wasser in meinem Mund wird zum Wasserfall, und ich signalisiere, daß ich zehn Stück möchte.
Ich werde mißverstanden, und bekomme die Menge für 10Baht (66Pf) - was noch mehr als zehn Stück sind! Die Teilchen kommen in eine kleine durchsichtige Plastiktüte, und darauf kommt noch eine leckere, ziemliche durchsichtige Soße, in der rötliche Stückchen schwimmen. Das wird doch kein Chili sein? Ich weiß es nicht, aber es ist nicht zu scharf. Als Werkzeug bekomme ich noch ein Holzspießchen, und während ich zu essen beginne, schlendere ich weiter. Ein hochaktueller Tip noch: Mit dem Spießchen nicht zu doll stochern, sonst wird die Tüte leck.
Während ich mich eine Straße entlang bewege, die links von einer Tempelanlage und rechts von einem Markt eingefaßt ist, überlege ich, ob es üblich ist, den Preis zu sagen, und nicht die Menge, die man haben will. Dafür spricht, daß ich jedesmal deutlich machen muß, daß ich n Stück haben will, und nicht die n Baht entsprechende Menge. Zurück zu Hause, überdenke ich die Sache noch einmal. Würde man den Gesamtpreis nennen, hinge die Menge ja vom Stückpreis ab, und ich bekäme bei unterschiedlichen Stückpreisen unterschiedlich viel. Ich will aber eine bestimmte Menge haben, und nicht vorher den Taschenrechner auspacken müssen, um anhand des zu erfragenden Stückpreises den passenden Gesamtpreis zu berechnen. Nun ja, das sind Gedanken, wie sie vielleicht nur ein Informatiker haben kann. Satt geworden bin ich trotz dieses ungelösten Rätsels jedenfalls immer.
Blüten, Pak Klong Talaat
Wie schon gesagt, habe ich rechts von mir einen Markt. Ich beende meinen Imbiß und schwenke in ein Gäßchen ein, daß schließlich überdacht ist und in einen gedeckten Markt mündet. Dort ist das Leben am quirlen, und ich sehe mich um, was es so zu kaufen gibt. Das ist ja interessant: Blüten in allen Sorten, Arten und Farben! In Deutschland erst lese ich auf der so beliebten Karte von Bangkok, daß der Pak Klong Talaat ein Blumenmarkt für Großhändler ist ("fresh produces and cut flowers wholesale only"). Das ist nicht zu übersehen. In großen Plastiktüten (das scheinen die Thais für eine der Errungenschaften der Technik zu halten) gehen die mit Eis gekühlten Blüten über die Theke.
Die Frage ist: Was macht man mit so vielen Blüten? Stiele sind ja nicht mehr dran, so daß die Verwendung in einer Vase eher nicht in Frage kommt (es sei denn in sehr flachen oder durchsichtigen Vasen - Blödsinn). Ein Blick in die Tempel offenbahrt die Bestimmung: Die Blüten werden äußert kunstvoll zu Buketten zusammengenäht und -gespießt, die als Schmuck und Opfergaben verwendet werden. Offensichlich kann eine ganze Industrie davon leben, und auf diesem Markt müssen täglich Tonnen umgesetzt werden.
Fried yellow bananas at the Pak Klong Talaat
Ich ziehe kreuz und quer durch den Markt, auf dem auch viel Gemüse und Obst angeboten wird. Lustig, ich könnte schon wieder - mal was essen. Mitten im Trubel steht eine Frau mit einem Wägelchen, auf dem sie kleine Bananen auf einem Holzkohlefeuer brät. Da wir von zu Hause wissen, daß gebratene Bananen, am Ende noch mit etwas Cointreau garniert, sehr lecker schmecken, ordere ich drei Stück. Das führt zu einer kleinen Diskussion, weil ich "Stück" meine und gewillt bin, mich vom Preis überraschen zu lassen. Da sie "Preis pro Stück" im Sinn hat, sind ihr 3Baht wohl zu wenig, was ich voll verstehe. Am Ende erreichen wir ein gemeinsames Verständnis, Käufer und Verkäuferin lächeln, ich stehe nicht als Ausbeuter asiatischer Kulturen da, und die Welt ist wieder im Lot.
Wieviel es nun gekostet hat, kann ich gar nicht mehr sagen, aber es war bestimmt wie immer nur wenig. Allgemein gewinnt man den Eindruck, daß bei Ausländern der Preis zu einem nicht zu knappen Teil von Aussehen, Verhalten und Freundlichkeit des Käufers abhängig ist. Ein bißchen handeln sollte man immer, weil beim ersten Angebot immer etwas aufgeschlagen ist, und weil Handeln hier zum Leben gehört und auch Spaß machen soll. Ich bin eigentlich kein Fan davon, aber es ist ja wirklich einfach. Bei den Preisen hat man keinen Zwang, etwas zu erreichen, und käme man einmal nicht auf den gewünschten Preis, dann gibt es ja noch viele andere Stellen, an denen man einkaufen kann.
Der Pak Klong Talaat endet kurz vor der Memorial Bridge. Weiter will ich heute nicht gehen, und ich denke, daß ich auch schon eine ganz schöne Strecke zurückgelegt habe. Unmittelbar vor der Brücke befindet sich ein Anleger, auf dem ich mich aufbaue, um das Treiben auf dem Fluß zu beobachten. Mir fällt auf, daß es zumindest zwei Typen Boote zu geben scheint, die wie die Stadtbusse regelmäßig fahren. Da sind zum einen die eher kurzen breiten, die nur als Fähre fungieren. Kleiner Einschub: Mir fällt erst jetzt beim Schreiben auf, daß diese Fähre ja direkt neben einer Brücke verkehrt. Merkwürdig... Aber vielleicht gibt es keinen Fußgängerstreifen, was mich bei der stiefmütterlichen Behandlung der nicht-motorisierten in Bangkok nicht wundern würde.
Die andere Sorte Boot ist eher schmal und lang, und fährt den Fluß auf und ab. Es soll noch eine Unterteilung in normale Schiffe und Expreßboote geben, aber ich kann beim besten Willen nicht sagen, woran man das ablesen können soll. Ich jedenfalls bin nie mit einem langen Boot gefahren, das überall angelegt hat. Verschärfend kommt hinzu, daß man (oder jedenfalls ich) nicht weiß, welche Anleger ausgelassen werden - die beste aller Karten gibt da keinen Hinweis. Glücklicher Zufall (oder Instinkt?), daß ich jedes mal dahin gekommen bin, wohin ich kommen wollte. Aus den Erzählungen von Catharina (das ist meine Schwester) weiß ich, daß das nicht jedem Bangkok-Besucher so geht.
Catharina hat mich vor dem Antritt meiner Reise kurz in den Bangkoker Nahverkehr eingewiesen, insbesondere, was das Boot fahren angeht. Seltsam, in meiner Phantasie habe ich mir den Fluß relativ schmal vorgestellt, vielleicht 20-30m breit oder so. Und das Häuser ihn einrahmen, wie Felswände einen Canyon, oder zumindest so, daß man vom obersten Balkon einen Apfel in den gegenüberliegenden Eingang werfen kann. Aber nichts dergleichen. Tatsächlich ist der Menam Chao Praya ein ziemlich breiter Strom, und die Häuser, die am Ufer stehen, sind nur selten mehr als zwei Stockwerke hoch, was übrigens für praktisch alle Holzhäuser gilt.
Expressboat Powerslide
Back to reality. Interessant ist das Anlegemanöver der Expreßboote. Das heißt, von anlegen kann da keine Rede sein. Mit einem Powerslide touchiert das Heck den Steg, Leute springen auf und ab, und weiter geht's (s. Bild). Zugegeben, wenn viele Leute am Steg sind oder vom Boot herunter wollen, wird auch mal kurz gestoppt. Und die Eleganz des Manövers ist sehr unterschiedlich. Einige wenige Piloten schaffen den perfekten Slide, manch anderer muß eine Weile vor- und rückwärts rangieren, bevor die Lücke zwischen Land und Schiff hinreichend klein wird. Dabei geben die Kassierer dem Kapitän durch Pfeifsignale Hilfestellung. Deren Bedeutung bleibt aber dem ausländischen Touristen verschlossen, der nur staunend zusehen kann. Ein paar Bruchpiloten schaffen es, den Steg geradezu zu rammen. Kein Wunder, daß manche der Poller ausgerissen sind.
Bei mir bleibt es zunächst einmal bei der bloßen Beobachtung des Expreßboot-Geschäfts, denn ich will einfach nur auf die andere Seite, Richtung Wat Arun. Das Boot, das ich besteige, ist tatsächlich die Fähre. Verständigungsprobleme mit der Kassiererin führen dazu, daß diese schließlich aufgibt und mich kostenlos faren läßt. Das habe ich nun aber nicht nötig, und ich schaue meinen Mitreisenden ab, wieviel die Überfahrt kostet. Es sind nur ein paar Baht, und als ich meinen Obolus entrichte, ernte ich ein freundliches Lächeln ("Gute Tat" für heute abhaken). Der Fluß ist breit und viel befahren. Die Fähre hat anscheinend nicht Vorfahrt, so daß wir diverse Expreßboote vorbeilassen müssen. Nach fünf Minuten ist meine erste Flußexpedition in Thailand zu Ende, und ich betrete das andere Ufer.
Laut Karte ist der Tempel nicht weit, und ich beschließe, dem Flußufer Richtung Norden zu folgen. Das ist gar nicht so einfach, weil mir ein Klong den Weg verwehrt. Also entferne ich mich vom Ufer, und versuche eine Brücke zu finden. Dazu folge ich der breiten Straße, die von der Memorial Bridge herunterkommt. Unglaublich, wie sich die Abgase um diese Uhrzeit über der Straße sammeln. Die Luft ist orange-braun, wenn man die Straße entlangguckt. Nichts wie weg, in die Seitenstraßen hinein. Aber auch das ist nicht so einfach, und ich verlaufe mich komplett.
Ich frage mich, ob ich mich als Farang (Ausländer) in diesen Gäßchen sicher wähnen darf. Ich habe eigentlich kein schlechtes Gefühl, möchte aber doch bald in belebtere Gegenden zurück. Für mein Umherirren bekomme ich einen interessanten Einblick in das Leben fernab von den Geschäften und dem Verkehr. Da die Fronten der Häuser recht offen sind, spielt sich das Leben halb auf den Straßen und Gassen ab. Als ich endlich wieder auf den Klong stoße, wird der Weg so eng, daß ich das Gefühl habe, durch die Wohnzimmer der Leute zu laufen, was mir gar nicht recht ist.
Ich komme an kleinen Fabriken und Manufakturen vorbei, wo anscheinend mit viel Handarbeit und Lärm Dinge hergestellt und recyclet werden. Inbesondere fällt mir ein langer Schuppen auf, in dem viereckige Blechkanister zu hunderten gelagert, aufgeschnitten und verarbeitet werden. Was da wohl draus gemacht wird? Neue Kanister? Radkappen? Bierflaschendeckel? Woks? Klopapierhalter? Ich kann es nicht sagen, weil ich das Endprodukt nicht zu Gesicht bekomme. Jedenfalls bestätigt sich auch hier, daß es keinen ruhigen Ort in Bangkok zu geben scheint. Wäre es hier einmal so ruhig wie in Erzhausen (da wohne ich) an einem Samstag; es wäre ein klares Indiz dafür, daß irgendwo irgendetwas mit Nervergas schief gegangen sein muß.
Schlußendlich wird mein Weg so schmal, daß ich umkehre. Dabei komme ich an manchen Leuten erneut vorbei, und schließlich spricht mich ein europäisch anmutender Mann an. Ich weiß erst nicht, was ich davon halten soll, aber - relax! - er spricht ganz gut Englisch und kann mir auch sagen, wo sich eine Brücke über diesen vertrackten Klong befindet. Diese läßt sich von mir bald finden, und endlich kann ich auch die Türme des Wat Arun wieder sehen, dem Ziel meiner Odyssee durch Bangkok Yai, wie das Viertel heißt.
Wat Arun
Tempel sind in der Regel Bestandteil eines Tempelbezirks. Dieser ist von einer Mauer umgeben und beherbergt verschiedene andere Gebäude, z.B. die Unterkünfte für die Mönche, Kapellen und Türmchen, sogenannte Chedis. Ich betrete die Umfassung des Wat Arun durch einen Seiteneingang, und suche eine Weile nach dem eigentlichen Tempel. Dieser ist dann nicht zu verfehlen, weil beim Haupteingang richtiggehende Touristenbüdchen aufgeschlagen sind. Buh, das hier ist wohl einer der Anlaufpunkte jeder "Ganz Bangkok in 2.5 Stunden"-Tour.
Schließlich bin ich wieder am Fluß, und stehe damit vor der Front des Tempels. Dieser ist leider eingerüstet und für den öffentlichen Verkehr die nächsten zwei Jahre gesperrt: Meine erste Tempelbesichtigung gestaltet sich nicht eben einfach. Ich luge durch den Zaun, der den Haupttempel umgibt, und mache mir ein Bild und ein Photo von der kambodschanischen Architektur. Die Türme sind riesig, und unheimlich aufwendig gestaltet. Figurenreihe fügt sich an Reihe, und jede enthält eine Vielzahl von aus Stein gehauenen Gestalten. Da haben eine Reihe Handwerker mächtig gemeißelt.
Seitengebäude, Wat Arun
Das es von der Hauptattraktion so viel nicht zu sehen gibt, beschließe ich, noch etwas über das übrige Gelände zu wandeln. Das ist eine gute Entscheidung, den die anderen Gebäude sind nicht minder interessant und eher im thailändischen Stil gehalten. Besonders die beiden Wächter finde ich gewaltig. Sie sind groß, haben lange Eckzähne und gucken grimmig aus der Wäsche bzw. aus der Kluft aus tausenden von Mosaikplättchen.
Ich treibe mich noch ein bißchen auf dem Gelände des Wat Arun herum, und schaue mir dieses und jenes Gebäude an. Da ich auf nichts mehr spektakuläres treffe, nehme ich die Gelegenheit war und begebe mich auf die Fähre, die direkt am Tempelbezirk anlegt. Auf der anderen Seite bin ich schon ganz in der Nähe des Wat Po. Ich suche einen Eingang in der hohen Mauer, die den Komplex umgibt, und finde schließlich einen schmalen Durchgang. Wie ich beim Verlassen später bemerke, hätte es am Haupteingang Eintritt gekostet - nun ja, dafür habe ich dann ja auch etwas gespendet, doch davon später mehr.
Das von der Mauer umfaßte Areal ist sehr groß, und es beherbergt Dutzende von Chedis (Zierkuppeln, bis 20m Höhe wohlgemerkt!), Bots (Kapellen)und Viharns (Hallen). Mittlerweile bin ich von der Rumlauferei bei der Hitze, dem bisher absolvierten Besichtigungsprograms und wegen dem Jetlag ziemlich gar. Ich setze mich erst mal hin und trinke fast mein ganzes Wasser. Morgen nehme ich mehr mit, das steht fest!
Nun schaue ich erst mal in meinen Führer, weil es hier einiges zu übersehen gibt. Also, was hat es denn für Attraktionen? Erst mal 4 sehr große, verschiedenfarbige Chedis, die für vier Rama-Könige stehen. Dann ein Massagesalon, der - halt, stop! - von Mönchen betrieben wird. Hier kann sich jeder eine Runde durchkneten lassen, ein Vergnügen, daß ich leider ausgelassen habe. Und das Highlight des Wat Po ist eine recht große Buddha-Statue, auf die ich noch zurückkommen werde.
Betende, Wat Po
Das Wasser, das ich mir eingefüllt habe, will wieder hinaus, und ich suche die örtliche Bedürfnisanstalt auf. Wie vom Hostel schon gewohnt hat es dort (sehr saubere) Stehklos, und einen Schlauch mit Brausekopf, der mit einem Pistolenabzug aktiviert werden kann - Klopapier ist nicht! Tatsächlich ist es hier so, daß traditionell mit der linken Hand gewischt wird.
Jaaa, daß findet nicht jeder appetitlich. Händewaschen nicht vergessen! Ich habe es so gehalten, daß ich Vorspülen für eine prima (erfrischende) Idee halte, aber beim Nachwischen ziehe ich ausnahmsweise Papier meiner linken Hand vor. Und wenn man beim Inder ißt: Nicht mit der linken Hand zulangen, sonst haben die anderen keinen Hunger mehr, und man darf alles alleine essen. Scherz beiseite: Es wäre wirklich ein Faux Pas ohne Beispiel.
Rundum erfrischt gehe ich erst zu den vier Chedis, die eben halt so rum stehen, und dann traue ich mich in eine Kapelle, wenn man die kleinen Hallen mit Buddha-Statuen darin so bezeichnen will. "Schuhe aus" ist die Devise, und dann bin ich drin. Es ist angenehm kühl, jedenfalls nicht so warm wie draußen, und angenehm leise, was nach dem Verkehrsterror draußen auffällt wie ein Kanonenschuß. Tatsächlich sieht man in den Tempeln Thais, die sich in irgendeiner Ecke zusammengerollt haben und knacken. Das kann ich gut nachfühlen, obwohl unser Hostel - Gott sei Dank! - ruhig gelegen ist. Wenn ich da an die Khao San Road denke... Aber die kriegen wir später.
Kopf Reclining Buddha, Wat Po
Der permantente und omnipräsente Stilbruch in Bangkok setzt sich auch in diesem Ort der Andacht und Besinnung fort, und so erhellen nicht blakende Öllampen, sondern brummende Neonröhren das Innere. Leute kommen, entzünden ein paar Räucherstäbchen, meditieren eine Runde, und gehen wieder. Auch Blattgold wird gerne gespendet. Das kann man gut an manchen Buddha-Statuen sehen, deren Konturen unter dicken Lagen von Blattgold immer mehr verschwinden. Und weil nicht alles so gut klebt, sorgen lose Blättchen für ein "fransiges" Aussehen.
Ich mache möglichst dezent ein paar Photos, und übe mich auch eine Weile in Andacht. Jedenfalls werde ich mal für eine Minute oder zwei ganz ruhig und denke an alles und nichts. Leider kann ich nicht wie die anderen auf meinen Fersen sitzen, weil mir sonst die Gräten weh tun, und so mogele ich ein bißchen und sortiere die Beine etwas um. Schließlich wird mir die Ruhe zuviel, und ich nehme meine Schuhe wieder auf und begebe mich zu größten Halle auf dem Gelände.
Kopf Reclining Buddha, Wat Po
Darin untergebracht ist die 45m lange Statue eines liegenden Buddhas ("The Reclining Buddha"). Ich kannte ihn schon von den Photos von Catharina, aber wenn man selber davor steht, ist die allein die schiere Größe beeindruckend. Dazu kommt, daß sie Statue sehr schön gearbeitet ist, und das große Gesicht blickt freundlich in die Ewigkeit. Ich muß das Zoom bis zum Anschlag Richtung Weitwinkel drehen, um ein Portrait zu schießen. Das alles ohne Blitz und mit fast einer Sekunde Belichtung aus der hohlen Hand, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder?
Vor dem Buddha stehen 100 Bronzeschalen, deren Verwendung mir Catharina auch schon erklärt hat. So erstehe ich für 200Baht einhundert 1Baht-Stücke. Mit diesen wandere ich von Schale zu Schale und werfe jedesmal ein Geldstück hinein, was schön klimpert. Ich weiß zwar nicht, warum die Thais das machen, aber ich wünsche einfach bei jedem Mal etwas für meine Verwandten, Freunde, Bekannten und mich. Wer weiß, wofür es gut ist. Bei der letzten Schale ist mein Geld zu Ende - es waren wohl doch nicht ganz 100Baht! Mir kräuselt sich etwas die Stirn: Das wird doch wohl kein schlechtes Omen sein? Ich greife in die Tasche, zaubere ein 10Baht-Stück zu Tage, und beschicke damit die letzte Schale. Damit sollten die Geister zufrieden sein, hoffe ich, und wende mich wieder dem Buddha zu, an dessen Fußende ich jetzt angekommen bin.
Reclining Buddha, Wat Po
Die Fußsohlen sind mit 108 aus Perlmut eingelegten Symbolen geschmückt, die man auf dem Photo leider nicht sehen kann. Aber das gibt mein Weitwinkel beim besten Willen nicht mehr her. Die Statue ist übrigens aus Ziegeln und Lehm aufgebaut, verputzt und mit Blattgold belegt. Wieder frage ich mich, wer das bei dem hier üblichen Chaos gebaut haben soll. Müssen wohl Gastarbeiter gewesen sein.
Immer noch beeindruckt trete ich wieder ans Tageslicht und verlasse die Umfriedung durch den Haupteingang, vor dem einige Touribusse stehen. Der Wat Po ist auch eines der Highlights jeder Reise nach Bangkok, was gut zu verstehen ist. Da ich endgültig etwas abgekämpft bin, beschließe ich für heute den Rückzug einzuläuten, und lenke meine Schritte Richtung Heimat.
Vom Wat Po bis zum Lak Muang ist es nicht weit. Tatsächlich es es so nah, daß ich fast dran vorbeigelaufen wäre. Direkt gegenüber befindet sich der Wat Phra Keo und der Königspalast, aber ich denke mir: "Leute, nicht mehr heute"! Das hat noch Zeit. Zurück zum Lak Muang. Hier wohnen die Schutzgeister der Stadt. Zentraler Punkt des Tempels ist die Stadtsäule ("City Pillar"), eine vergoldete Säule aus Zedernholz, die, ganz unter uns Pfarrerstöchtern, recht phallisch aussieht. Sie wurde von Rama I. als symbolischer Grundstein der neuen Hauptstadt (früher Ayutthaya, ganz früher Sukothai) gesetzt. Die Säule ist schnell gesehen und wieder vergessen, aber da gibt es ja noch andere interessante Sachen.
Tänzerinnen, Lak Muang
Da ist zum einen diese kleine Bühne zur linken. Als ich ankomme, wird gerade von drei Frauen Theater gespielt. Es wird laut gequakt und gestikuliert, und die Zuschauer haben offensichtlich ihren Spaß. Mein Führer sagt, daß der Inhalt dieser kurzen Stücke eine Mischung aus alten Märchen, politischen Anspielungen und erotischen Zoten ist. Das erklärt auch das leicht angeschmutze Lachen von alt und jung...
Der Ausländer ist leider gezwungen, sich an den Reaktionen der Zuschauer zu erfreuen, denn verstehen kann man als Thai-Unkundiger rein gar nichts. Aber auch für mich wird es noch interessanter, denn die Frauen räumen die Bühne und machen Platz für vier Tempel-Tänzerinnen. Diese werden von einem Gamelan-Orchester (Gamelans sind gestimmte Gongs) rechts der Bühne begleitet. Das alles gefällt dem kleinen Christian gut. Und auch diese Einlage kommt wie so oft ganz unverhofft, aber sehr erfreulich. Ich kann mit meinem Urlaub schon zufrieden sein, denke ich.
Weltliche Opfergaben, Lak Muang
An einer anderen Stelle auf dem relativ kleinen und offenen, d.h. nicht ummauerten Gelände finde ich ein paar sehr interessante Opfergaben, die auch für den Europäer leicht zu deuten sind. Hier findet sich alles, was man im Jenseits so brauchen kann. Was da links oben hängt, weiß ich nicht. Ist es eine Packung Teebeutel? Aber der Rest ist einfacher: Eine Zeitschrift, Zahnpasta, Zahnbürste, Tempos, eine Rolle Klopapier und unten noch Reis, unter anderem. Wie praktisch!
Nachdem sich der Himmel schon die ganze Zeit mehr und mehr zugezogen hat, fängt es schließlich an zu regnen, und zwar nicht zu knapp. Ich stelle mich beim Verwaltungsgebäude zwischen Theater und Tempel unter, und beobachte das Treiben.
Da steht zum Beispiel ein Wägelchen, auf dem eine ganze Reihe Flammen brennen, die durch Öl gespeist werden. Dieses kann man anscheinend spenden, und da reichlich gespendet wird, hat man sich eine raffinierte Konstruktion einfallen lassen. Jede Flamme brennt in einer kleinen Schüssel, die über einen Überlauf verfügt. Dieser leitet das Öl über ein Rohr weiter zu weiter unten gelegenen Flammen, die ihrerseits über einen Überlauf verfügen. Die Beschreibung dieses Flammenmeeres mag ganz romantisch klingen, aber leider ist das Ganze in V2A (Edelstahl) ausgeführt und macht auf mich einen eher ernüchternden Eindruck.
Wie ich da so stehe und dem Regen zusehe, der nicht weniger werden will, spricht mich ein Mann in Uniform an. Keine Panik, es ist nicht die allseits beliebte thailändische Polizei, sondern es handelt sich um einen Mitarbeiter der Mannschaft, die den Tempel bewacht und betreut. Was er von mir möchte ist, daß ich ihm laut die englische Version der Tempelbroschüre vorlese, falls es mir recht sei. Ich denke mir "why not" und tue wie mir geheißen, zur Belustigung seiner weniger bildungsbeflissenen Kollegen. Er muß wohl Vorkenntnisse haben, denn er spricht den Text ganz vernünftig nach. Wir gehen die Sache zwei, drei mal durch, und dann bedankt er sich recht heftig und meint, daß ich ein Freund sei (wobei er wohl freundlich meint, oder?).
Wir tauschen die Adressen aus, und ich bekomme auch noch die thailändische Version meines Namens ins Tagebuch geschrieben, das ich, wie immer, etwas paranoid mit mir herumschleppe. Mal sehen, ob ich es hinbekomme:
Sieht doch Klasse aus, oder? Zugegeben, das ist nicht ganz, was er mir aufgeschrieben hat, aber ich kann ein paar Schriftzeichen einfach nicht lesen. Er läßt es einen Kollegen nachsprechen, und was er sagt, hat tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Namen.
Es regnet zwar immer noch, aber ich möchte auch langsam mal weiter, und so lichte ich trotz erhöhter Luftfeuchte den Anker. Sapperlot, es regnet einfach noch zu doll. Ich stoppe in einem Torbogen der Tempelanlage, und in der nächsten Regenlücke komme ich 50m weiter. Dann stehe ich an einen Baum gelehnt und hoffe, daß das Blätterdach dicht hält, was es auch einigermaßen tut. Noch mal 10 Minuten Pause, und weiter geht's!
Spontan entschließe ich mich, über die Khao San Road nach Hause zu laufen. Das ist die örtliche Drosselgasse (für die nicht-Initiierten: Das ist die Nepp-Meile von Rüdesheim am Rhein), und ich denke, auch das sollte man mal gesehen haben. Davor haben die Götter aber ihren Schweiß gesetzt, der reichlich und warm vom Himmel fällt. Ich bewege ich von Hauseingang zu Hauseingang, um die Durchweichung zu vermeiden. Das letzte Hindernis vor der Khao San Road ist die Ratchadamnoen Klang, eine dreispurige Straße. Überflüssig zu erwähnen, daß die Straße extrem stark befahren ist und Fußgänger ohne die Hilfe farbiger Lichter auskommen müssen. Also Augen auf und durch!
Ich erreiche die Khao San Road am westlichen Ende. Besonders lang ist sie nicht, 500m sind vermutlich schon übertrieben. Aber es reiht sich Hostel an Restaurant an Klamottenbude an Raubkopiekassettenstand. In den Restaurants werden auf Tafeln die Uhrzeiten angekündigt, zu denen die auf Großbildschirm gezeigten Videos laufen. Drinnen sitzen vor allen Dingen abgehalfterte Globetrotter, die wahrscheinlich schon überall gewesen sind, schon alles gesehen haben, schon alles gemacht haben und die mit Mitte 30 den Absprung ins normale Leben irgendwie verpaßt haben. Diese supercoolen Männer tragen verschwitzten Feinripp oder stark getragene, halboffene Batik-Hemden, die Brustfell und Goldkettchen voll zur Geltung bringen. Aus der Wäsche schaut das gebräunte oder auch schon sonnengegerbte Haupt, auf dem sich das Haar dauergewellt, wetgegelt oder einfach nur fettig breit macht. Mit der Bierflasche in der Hand scheinen sie auf den Untergang der Sonne zu warten, oder auf die Ankunft von Frischfleisch. Das kommt auch in Form von unpassend, d.h. ziemlich geschlechtsbetont gekleideten Weltreisendendinnen frisch vom Flughafen daher.
Jesus George! Da sind wir aber froh, daß wir Karins Tip gefolgt sind. Und die Empfehlung von Elke, eine von Catharinas Freundinnen, wäre ebenfalls eine Gute gewesen, denn auch das "Sawatdee" befindet sich in sicherer Entfernung in der Sri Ayutthaya, genau wie das "Tavee", meine Unterkunft. Doch zurück zum Rummel. Da es weiterhin regnet und die Stände keinen gescheihten Schutz bieten, kehre ich in eine der vorne offenen Kneipen ein, und ordere ein "Singha". Das ist das lokale Bier, das man neben einigen international bekannten Importen wie Heinecken bekommt. Eine Flasche mit 0.5l ist etwa so teuer wie bei uns (etwa 3,-DM), hat dafür aber auch soviel Atü wie zu Hause. Das ist nach dem Neuseeländischen Schwachbier etwas ungewohnt, und die Hitze tut ihr übriges, damit ich mich so richtig breit fühle. Ich hänge vielleicht eine dreiviertel Stunde ab, und begebe mich auf die letzte Etappe.
So um 17:00 laufe ich im Tavee ein, und ich muß sagen, es war ein sehr langer, sehr interessanter Tag. Das Leben hier ist ein totales Kontrastprogramm zu Neuseeland. Dort ist man sechs Tage lang auf einem Track unterwegs, und es passiert stundenlang eigentlich nichts. Man ergötzt sich an der Form der Landschaft, dem Wuchs der Pflanzen, am Lauf der Flüsse, am Blau und Weiß des Himmels, und zieht zum Teil einsam wie eine Wolke durch tiefen Frieden und majestätische Natur. Das ist hier ein bißchen anders. Jede Sekunde wird man mit Eindrücken bombardiert, und das Leben kocht und brodelt. Beides hat seinen Reiz, aber ich bin mir sicher, daß ich nach einer Woche aus Bangkok fliehen würde, um das andere Thailand zu finden, das es zweifelsohne geben muß.
Ich gehe unter die Dusche, die genau die richtige Temperatur hat: Nicht so kalt, daß man sofort danach wieder schwitzt, und nicht so warm, daß man nicht ein wenig gekühlt würde. Ich schlüpfe in frische Klamotten, und setze mich samt Tagebuch in die Lounge bei der Rezeption. Aber, wie in den nächsten Tagen auch, komme ich nicht groß dazu, dem Diary das Neueste zu berichten, denn nur Mönche haben hier Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit. Das soll keine Beschwerde sein; ich finde es very thrilling, in so einen Hexenkessel geraten zu sein.
Sehr nett finde ich, daß mich Kay anspricht, ob ich nicht mit zum Inder kommen möchte. Ich muß kurz meine "der Tag war lang, und ich will meine wohlverdiente Ruhe"-Lethargie überwinden, und sage zu. Denn wie kann man eine Stadt und das richtige Leben dort besser kennen lernen als auf diese Weise! Um etwa sieben brechen Kay, Phil, Gibble und ich auf. Die Luft ist reichlich feucht, und Gibble hat den Eilschritt drauf. Anstatt (wie ich heute morgen) erst zur Samsen Road und dann per Straßenbrücke um den Klong herum zu navigieren, zieht uns Gibble mitten durch den Tewet Market, der ein Ende mit dem Ende der Sri Ayutthaya gemeinsam hat. Dabei habe ich den Eindruck, daß wir auch einige Wohnzimmer durchqueren, weil hier und dort ferngesehen und gegessen wird.
Siehe da, es gibt in Flußnähe eine Fußgängerbrücke, die uns den Umweg über die Samsen Road erspart hat. So sind wir schnell am Anleger und auf einem Expreßboot, und weil Gibble den Namen der Anlegestelle ("Tha Rachini") so aussprechen kann, daß der Kassierer ihn versteht, bezahlen wir alle zusammen etwa 10Baht (66Pf). Es wird schon ziemlich duster, und der Himmel sieht gewalttätig aus. Blitze zucken, und hohe Wolken türmen sich auf. Wind geht, und man hat das Gefühl, einem richtigen Sommergewitter bei der Arbeit zuzusehen. Ich hoffe, daß die großen, hohen, protzigen Gebäude am Ufer attraktiver auf elektrische Ladungen wirken, als kleine, flache, unscheinbare Boote, die sich auf dem Fluß bewegen.
Knuspereien, Memorial Bridge
Zum Glück regnet es trotz dieser wagneresken Overtüre nicht, als wir das Expreßboot nach 10-15 Minuten an der Memorial Bridge verlassen. Hey, da war ich heute schon; ich kenne mich ja richtig aus in Bangkok B-)! Direkt unter der Brücke hat eine Garküche ihre Zelte aufgeschlagen. Und was es da für leckere Sachen gibt! Alles ganz frisch: Ganz vorne zwei Häufchen mit der Rohware, der Rest schon fritiert: Maden (vorne links), Kakerlaken (vorne rechts) und Heuschrecken (auf dem hinteren Tablett). Boy, that looks revolting! Ich hoffe, das ist kein Omen für das indische Restaurant...
Aber nein. Wir eilen weiter durch Gassen und Sträßchen, und nach 10min sind wir da. Das Restaurant ist wirklich urig. Wüßte man nicht, das es eines ist, könnte man es für ein zugegebenermaßen sehr großes, zur Straße hin offenes Wohnzimmer halten. Der Fernseher läuft, und Opa und die Enkel, alle traditionell indisch gewandet, sehen zu. Auf der Mattscheibe flimmert "Bananas in Pyjamas", Puppentrick mit sprechenden Bananen in Schlafanzügen. Sachen gibt's... Ich erfahre, daß es sich um eine britische Produktion handelt. Zurück in Deutschland sehe ich, daß die Serie auch bei uns läuft. Tse, tse!
Die Speisekarte ist kurz und bündig. Einerseits bin ich dankbar, daß man thailändische und lateinische Buchstaben verwendet hat. Andererseits nützt mir das gar nichts, denn da stehen nur die indischen Namen der Gerichte, und nicht, was drinnen ist. Also überlassen wir Gibble die Wahl, und er ordert fünf Hauptgerichte, Roti (das ist indisches Brot, rund und flach) und Getränke. Zuerst kommt Wasser und etwas, dessen Namen ich vergessen habe. Es ist kalt, süß, scheint aus Milch zu sein und schmeckt sehr gut.
Dann kommen die Hauptgerichte, einfach so auf tiefen Tellern. An alles kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber die Okraschoten waren lecker und ganz klar mein persönlicher Hit. Da die anderen andere Präferenzen hatten, konnte ich darin schwelgen. Gegessen wird in Indien mit den Händen, worauf Gibble hinweist und es auch ausgiebig tut. Ich bleibe meinem Eßlöffel treu, und denke, daß sich der Stilbruch in Grenzen hält.
Wir sprechen über dies und jenes, und indische Verwandte und Bekannte kommen und gehen. Eine junge Frau ist dabei, die auffallend schön aussieht, wie wir alle spontan feststellen. Geradezu aristokratisch, wahrscheinlich eine Prinzessin oder Gehesrc="imagentin. Aber das ist wohl ein bißchen zu sehr tausend und eine Nacht. Interessant, daß Kay manchmal auf schöne Frauen hinweist. Ich will damit gar nichts sagen, nur so viel, daß es selten ist, daß Leute auf besondere Exemplare des eigenen Geschlechts hinweisen - Neid vermeiden? Die eigene Konkurrenz totschweigen?
Ich genieße das leckere Essen, die nette Gesellschaft, das exotische Ambiente. Ich muß an 9 1/2 Wochen (den Film mit Kim Basinger und Mickey Rourke) denken - enge, düstere Gäßchen, hohe Straßenbeleuchtung, schwarze Nacht, Leitungen, die zwischen den Gebäuden hin und her gehen. Nur der Regen fehlt, dafür herrscht hier tropische warme Nacht, was ich dem Regen klar vorziehe. Was noch fehlt, ist natürlich die Frau, mit der man durch diese Gäßchen rennen kann. Aber was ist schon perfekt.
Dann geht es ans Zahlen: Fünf Hauptgerichte, etliche Brote, dieses spezielle Getränk, Wasser, was kann das wohl kosten? Die Bedienung sagt es uns: 170Baht, 11.33DM. Doch so viel. Du ahnst es nicht! Dafür hätte man in Deutschland nicht mal die Hälfte der Zutaten bekommen. Um wieviel bitterer muß es hier für die Leute sein Dinge zu bezahlen, deren Preise durch den Weltmarkt bestimmt sind: Benzin, Autos und solche Dinge.
Zurück fahren wir mit dem Bus, und es wird eine kleine Stadtrundfahrt. Die Busse hier sind auch ein Hit. Sie sind breit, aber kurz, und der Alptraum jedes TÜV-Prüfers. Neben dem Fahrer befindet sich eine große Metallabdeckung, die vielleicht den Motor vor unseren Blicken, nicht aber unsere Ohren vor dem brüllenden Lärm des Triebwerks schützt. Der Pilotensitz wird offensichtlich von jedem Fahrer sehr individuell eingerichtet. Es finden sich die tollsten Verzierungen und Accessoires, und vor allen Dingen der Schalthebel ist offensichtlich das Produkt einer thailändischen Kunstschmiede. Obwohl nicht mehr als 20-30 Leute in den Bus passen, hat es eine Kontrolleurin, die die 3.5Baht (23Pf) kassiert - egal wie lang die Fahrt geht.
Wir kommen am Democracy Monument vorbei, einem großen Wasweißichwasmitobelisk aus jeder Menge Beton. Irgendwo fahren wir an einer massiven Mauer vorbei, die wie die Umfassung einer Festung anmutet. In den Mauerbögen haben sich Händler niedergelassen. Von Phil erfahre ich, daß dort auch prima Feuerwerk verkauft wird, daß bei uns niemals genehmigt würde und sich eher zum Losbrechen von Steinblöcken als für fröhliche Feiern eignet. Die lustige englische Truppe hat gestern Metallbüchsen den Chao Phraya hinuntergeschickt, die mit dicken Krachern bestückt waren. Hat wohl gut gescheppert! Der Spaß hatte dann sein Ende, als man es für witzig hielt, noch ein paar Böller vor dem Tavee in die Luft zu jagen. Es hagelte wohl eine gewaltige Kopfwäsche von Mr. Tavee, einem gewichtigen Mann, mit dem bestimmt nicht zu spassen ist. Diesmal betreten wir das Tavee ganz leise, friedlich und gesittet, und verzischen uns auch ziemlich bald in die Heia.